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Wir waren Helden!

3. Mai 2009

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Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit
dir zu tun, Verschwinde! Kinder von heute werden in Watte
gepackt.
Wenn du als Kind in den 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es
zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben
konnten! Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte
und ohne Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt mit
Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der
Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso
wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren
eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen und auf dem
Fahrrad trugen wir nie einen Helm. Wir tranken Wasser aus
Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus
Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den
Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit
kamen wir nach einigen Unfällen klar. Wir verließen morgens
das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und
mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen
angingen. Niemand wußte, wo wir waren und wir hatten nicht
mal ein Handy dabei!
Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und
niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle.
Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach
„Aufsichtspflicht“ . Kannst du dich noch an „Unfälle“ erinnern?
Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau.
Damit mussten wir leben, denn es interessierte die
Erwachsenen nicht besonders. Wir aßen Kekse, Brot mit dick
Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick.
Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und
niemand starb an den Folgen. Wir hatten nicht: Playstation,
Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf
Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer,
Internet-Chat-Rooms. Wir hatten Freunde!!!
Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir
marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal
brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein.
Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern.
Keiner brachte uns und keiner holte uns. Wie war das nur
möglich? Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und
Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer, und die
Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in
unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen
wir auch nicht besonders viele Augen aus. Beim Straßenfußball
durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, mußte
lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.
Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie
rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das
führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar
zur Änderung der Leistungsbewertung. Unsere Taten hatten
manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich
verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen
hat, war klar, daß die Eltern ihn nicht automatisch aus dem
Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren oft der
gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!
Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen
Problemlosem und Erfindern mit Risikobereitschaft
hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und
Verantwortung. Mit alldem wußten wir umzugehen.
Und du gehörst auch dazu! Herzlichen Glückwunsch!

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2 Kommentare leave one →
  1. Dirk permalink
    5. Mai 2009 00:48

    Lese ich immer wieder gerne, und ich freue mich ich war dabei…

    VG Dirk

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